Die Kirchengeschichte der Siebenbürger Sachsen beginnt im 12. Jahrhundert mit der Ansiedlung deutscher Kolonisten in Siebenbürgen. Sie genießen wirtschaftliche, politische und kirchliche Sonderrechte seitens des ungarischen Königs und verteidigen im Gegenzug die Grenzen im Osten. Die Siedler errichteten dazu zahlreiche Wehrkirchen und Kirchenburgen, die bis heute das Bild der siebenbürgischen Landschaft prägen. 1550 beschließt die Sächsische Nationsuniversität, die politische Selbstverwaltungsbehörde, die Annahme der Reformation für alle Sachsen.
Die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses hat seit jeher einen starken Platz in der Gesellschaft. Als die Siebenbürger Sachsen 1876 ihre politische Selbstverwaltung verlieren, übernimmt sie auch wirtschaftliche und kulturelle Aufgaben. Nach dem Zweiten Weltkrieg verliert die Kirche im Zuge der Enteignung zahlreiche Grundstücke sowie alle Schulen und muss sämtliche kirchlichen Verein auflösen. 1949 gelingt die Gründung des Vereinigten Protestantisch-Theologischen Instituts mit Universitätsgrad in Klausenburg, dessen deutschsprachige Abteilung 1955 nach Hermannstadt übersiedelt und sich mehr und mehr verselbstständigt. Unter dem Kommunismus setzt sich die Kirche weitestmöglich für die Belange ihrer Gemeindeglieder ein.
Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1990 wandern bis heute ca. 85% der evangelischen Gemeindeglieder aus. Die aktuelle Kirchenordnung von 1997 berücksichtigt den Wandel von einer Volks- zu einer Diasporakirche. Insgesamt betreuen 40 Pfarrer und Pfarrerinnen in 253 Ortschaften die rund 14.300 Gemeindemitglieder. Arbeitsschwerpunkte der Evangelischen Kirche sind heute Predigt und Seelsorge, Diakonie, Kinder-, Jugend- und Frauenarbeit, Festigung der Gemeinden, Erhalt der Kulturgüter sowie ökumenische Zusammenarbeit mit Kirchen im In- und Ausland. Die klein gewordene Kirche gilt nach wie vor in ihrem ökumenischen Umfeld als verlässlicher und aktiver Partner. Sie versucht in ihrem gesellschaftlichen und politischen Kontext lutherische Identität fruchtbar zu machen und das reformatorische Erbe weiterzugeben.