In ihrer Klausurtagung Anfang März haben Pfarrer ihre Andachten zu Frauen in der Bibel gehalten. Biblische Frauenfiguren sind Vorbilder des Glaubens, und das nicht nur für Frauen. Pfarrer Walter Sinn nahm das Jubiläum zum Anlass über Ruth nachzudenken (Ruth 1, 1-22)
Sowohl im Glaubensleben und in der Geschichte des Volkes Israel, sprich, dem Altem Testament, als auch im Glaubensleben und in der Geschichte des Christentums haben Frauen von Anfang an eine wichtige Rolle gespielt.
Manche Frauen waren ganz einfache Leute, andere hatten ganz wichtige Funktionen inne: zum Beispiel Eva, die erste Frau überhaupt, Jochebed, die Mutter des Mose, Aarons und Mirjams, Mirjam, die nach der Überquerung des Roten Meeres ein Lied zur Ehre Gottes gesungen hat, dann Rahab, die den beiden Kundschaftern geholfen hat, aus Jericho zu entkommen, bevor Jericho von den Israeliten eingenommen wurde; sie soll die Mutter des Boas gewesen sein.
Danach folgte Ruth (die später von Boas zur Frau genommen wurde), und beide (Rahab und Ruth) gelten in der Ahnentafel als Vorfahren Jesu; dann Debora als Richterin, dann Hulda, eine Prophetin, die zur Zeit des Königs Josia lebte; als bei den Renovierungen des Tempels in Jerusalem ein altes Gesetzesbuch auftauchte, da haben nicht die Propheten Jeremia oder Zephania oder der Hohepriester Hilkia Weisungen gegeben, sondern die Prophetin Hulda wurde befragt, was der Wille des Herrn wäre. Später hören wir von Esther, die es geschafft hat, die Frau des Königs Ahasveros von Persien zu werden, usw. ....
Im ganzen Alten Testament finden sich Frauen, die im Leben Israels zwar aktiv, aber im Allgemeinen keine Leiterfiguren waren. Frauen wie z.B. Debora (Ri. 4) oder Esther, bildeten eher die Ausnahme und nicht die Regel.
Von jeder dieser Frauen könnte man viel erzählen. Alle haben eine gemeinsame Eigenschaft, daß sie gute Taten aus ihrem Glauben heraus vollbracht haben, die ihrem Volk zugute gekommen sind. Somit sind sie auch in die Geschichte des Volkes Israel als Musterfrauen eingegangen und werden sogar zum Teil in den Schriften des Neuen Testamentes erwähnt und gelobt, mit dem Vermerk, daß sie aufgrund ihres Glaubens gerettet wurden.
Es ist beeindruckend, dass wir so viele Geschichten haben, wenn man bedenkt, dass sie aus einer Zeit stammen, in der die meisten Frauen nicht einmal lesen oder schreiben konnten und zum Teil sogar ganz von Spirituellem ausgeschlossen waren. Wir müssen ihnen mehr Aufmerksamkeit schenken und mehr über ihre Geschichten sprechen.
Wie auch im echten Leben sind Frauen oft „unsichtbar” (weniger sichtbar, da sie mehr im Hintergrund tätig sind - in der Küche, beim Essen auftragen, usw.) – vielleicht deswegen schenkt man ihnen weniger Aufmerksamkeit oder bezieht sie weniger in bedeutsame Gespräche ein.
Im Neuen Testament hören wir von Maria, der Mutter des Herrn, Elisabeth, Maria von Magdala, Phoebe, Lydia, Prisca oder Priscilla, Lois, die Großmutter des Timotheus und auch von anderen.
Jesus zeigte Liebe und Respekt für die Frauen. Er zog sie nicht nur in Seine Zuhörerschaft mit ein, sondern gebrauchte darüber hinaus auch Illustrationen und Bilder, die ihnen vertraut waren (Mt. 13,33; 22,1-2; 24,41; Lk. 15,8-10) und wandte Seine Lehren spezifisch auf sie an (Mt. 10,34ff.).
Der Samariterin am Jakobsbrunnen (Joh. 4) gab er preis, dass er der Messias war und diskutierte mit ihr Themen wie das ewige Leben und die Art des wahren Gottesdienstes. Er belehrte auch Maria – während er Martha ermahnte – und wies auf die Vorrangigkeit des Lernens geistlicher Wahrheit gegenüber „weiblichen“ Pflichten und Aufgaben – wie das Bedienen der Gäste im eigenen Haus – hin (Lk. 10,38).
Jesus erlaubte sogar einer kleinen Gruppe von Frauen mit Ihm und Seinen Jüngern umherzureisen (Lk. 8,1-3) – ein noch nie da gewesenes Ereignis zu jener Zeit. Nach Seiner Auferstehung erschien Jesus zunächst Maria Magdalena und sandte diese zu den Jüngern, um Seine Auferstehung zu verkünden (Joh. 20,1-18) – trotz der Tatsache, dass es Frauen nicht gestattet war als Zeugen in jüdischen Gerichten auszusagen.
Ja, es waren ausgerechnet Frauen, die als die Ersten zu Zeugen der Auferstehung Jesu wurden! Jesu Umgang mit Frauen macht deutlich, dass er ihnen eine weit höhere gesellschaftliche Stellung zumaß, als es damals üblich war. Er erwies ihnen Mitgefühl und Respekt, was für sie eine völlig neue Erfahrung war. Das verdeutlicht ihre Gleichwertigkeit. Trotzdem erhob Jesus die Frauen nicht in eine Führungs- oder Vorrangstellung gegenüber Männern. Ob Männer, oder Frauen, beide sind dazu berufen, auf Jesus Christus hinzuweisen !
Ich möchte auf Ruth, der Schwiegertochter der Noomi zurückkommen. Obwohl sie eine Moabieterin war, ging sie mit ihrer Schwiegermutter nach Bethlehem. Die gesamte Geschichte ist faszinierend!
Ohne zu wissen, was weiter geschehen wird, entscheidet sie sich, anders, als Orpa, die andere Schwiegertochter der Noomi, in ein für sie fremdes Land zu ziehen. Dort heiratet sie später den Boas und wird mit einem Sohn, namens Obed gesegnet, der dann der Großvater des Königs David wird. Wir sehen, wie wunderbar Gott alles in der Geschichte lenkt, einfügt und leitet.
Auch wenn ihr erster Mann, der Sohn der Noomi, gestorben ist, benützt Gott sie für einen wunderbaren Zweck, und reiht sie in die Heilsgeschichte ein. Somit wird sie eine Urahnin unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus. Man könnte sagen: Sie wurde getröstet und ist so für andere zum Trost geworden. (Thema der Pfarrklausur: „Getröstet und zu trösten“)
Das, was sie ihrer Schwiegermutter gesagt hat: - „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“ - wird sie auch beibehalten.
Sie hat ihr Vertrauen auf den Gott Israels gegründet, den sie vorher nicht kannte. Und, obwohl sie nicht aus dem Volk Israel stammt, benützt Gott sie trotzdem in der Heilsgeschichte der Menschheit - ähnlich wie Maria, die zum Engel Gabriel gesagt hat, als er ihr kundtat, daß sie den Messias gebären wird: „Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast.“ (Luk.1, 38)
Wer immer Gott vertraut, und von wo immer er kommt und Gottes Worte befolgt, der wird nicht enttäuscht werden, sondern wird ein Glied in der Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk durch und in Jesus Christus werden.
Der Mann der Noomi sowie auch seine beiden Söhne sind gestorben, aber Gott hat dennoch alles in Segen umgewandelt. Gott hat Ruth in die Heilsgeschichte mit seinem Volk eingebaut. Auch wir sind Teil dieser Heilsgeschichte, deshalb sollen und wollen wir auf Jesus Christus hinweisen! IHM sei Preis in Ewigkeit! Amen.
Walther Sinn ist Pfarrer in Semlak, Engelsbrunn, Liebling, Birda, Klopodia, Kleinschemlak, Lugosch, Reschitz, Steierdorf, Karansebesch, zuständig auch für Ferdinandsberg, Butin (ohne Gemeindeglieder).